CAPMARCON präsentiert mit dem “Marktplatz” Nachrichten, Einschätzungen und Meinungen zu unternehmensbezogenen Ereignissen und Entwicklungen auf dem Finanz- wie Kapitalmarkt.


Auslandsbanken im Kreditrausch

Das Kreditvolumen der Banken für die Wirtschaft in Deutschland hat im 1. Quartal 2017 gegenüber dem 1. Quartal 2016 um drei Prozent zugenommen. Doch um stolze sieben Prozent weiteten hier die Auslandsbanken ihr Kreditgeschäft aus. Und nur bei Unternehmen, also ohne Berücksichtigung der Kleinbetriebe, Kaufleute und Selbständigen, waren es sogar fast neun Prozent! Andere Bankengruppen waren da weitaus weniger aggressiv. Woher kommt diese geradezu „rauschhafte“ Laune? In erster Linie resultiert sie aus der hohen Überschußliquidität an Zentralbankgeld. Während deutsche Banken im gleichen Marktumfeld konservativer und kontinuierlicher ihr Kreditgeschäft entwickeln, wollen ausländische Institute jetzt anscheinend massiv Marktanteile „kaufen“. Die Banken im Euro-Währungsraum nutzen ihren Kreditschöpfungsspielraum für Ausleihungen an die im internationalen Vergleich bonitätsstärkeren deutschen Unternehmen. Weiterhin zu kämpfen haben viele schwächelnde Unternehmen in den jeweiligen Heimatländern dieser Banken. Hinzu kommen hierzulande Kreditgeber aus Nordamerika, die sehr aktiv auf Suche nach kreditnehmenden deutschen Unternehmen sind.

[CAPMARCON CAPITAL Heft 2 vom 1. Juni 2017]


Der Versuch der EZB, einen Strick zu stoßen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hofft unverändert, mit ihrer Geldschwemme die teils gravierenden Defizite in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Fiskalpolitik der einzelnen Staaten in der Euro-Zone kompensieren zu können. Seit dem Jahr 2014 pumpt die EZB verstärkt Geld in den Markt. Das Zentralbankgeld der Geschäftsbanken hat sich seitdem versiebenfacht – ein Plus von 600 Prozent! Gleichzeitig blieb das Kreditvolumen an die Unternehmen in der Euro-Zone praktisch unverändert. Verfolgt die EZB ihr aufgelegtes Programm wie angekündigt weiter, werden bis zum Jahresende 2017 etwa 2.280 Milliarden Euro in den Markt gepumpt worden sein – dies entspricht dem Wert der gesamten wirtschaftlichen Jahresleistung (Bruttoinlandsprodukt) von Frankreich. Doch wird dann die EZB ihre Ziele erreicht haben: (1) Mehr Bankkredite vor allem an kleine und mittlere Unternehmen, (2) spürbare Stimulierung der Konjunktur in der Euro-Zone und (3) eine Inflationsrate von „unter zwei Prozent, aber nahe zwei Prozent?“ (1) Das Kreditvolumen an mittelständische Unternehmen hat in Deutschland unterdurchschnittlich zugenommen, in manchen (süd-)europäischen Ländern des Euro-Raums allerdings ein wenig spürbarer. (2) Die Konjunktur in der Euro-Währungszone zeigt leichte Anzeichen einer sehr moderaten Belebung, in Deutschland Anzeichen einer beginnenden Überhitzung. (3) Die harmonisierten Verbraucherpreise stiegen in der Euro-Zone bis April 2017 auf 1,9 Prozent, in Deutschland auf 2,0 Prozent. In der Konsequenz hat die EZB mit ihrer Politik den einen oder anderen Teilerfolg erzielen können. Doch gleichzeitig haben die europäischen Notenbanker mit den Niedrigstzinsen (Altersvorsorge, Bilanzbewertung von Anleihen etc.), dem Abschmelzen der Risikoprämien (keine risiadäquate Verzinsung mehr) und dem Aufblähen der Geldmenge (Inflationspotential) Probleme geschaffen, die in den Griff zu bekommen noch einiges an Fortune erfordern wird. Bleibt die Hoffnung, der „Bumerang des billigen Geldes“ trifft nicht unerwartet und unsanft wieder auf.

[CAPMARCON CAPITAL Heft 2 vom 1. Juni 2017]


„Mittelstandsanleihe“: Weiteres Dickschiff vor dem Untergang

Der Markt der „Mittelstandsanleihe“ verliert immer mehr an Umfang und Bedeutung. Jüngst bringt die angekündigte Störung der Rickmers-Anleihe weitere 250 Millionen Euro in Gefahr. Das Schiffahrtsunternehmen Rickmers hatte Anlegern im Juni 2013 eine fünfjährige „Mittelstandsanleihe“ mit einem Volumen von 175 Millionen Euro und einem Kupon von fast neun Prozent angeboten. Der Betrag wurde nicht nur vollständig plaziert, sondern in den darauffolgenden 15 Monaten sogar um 75 Millionen Euro aufgestockt. Zur Emission erhielt die Anleihe aus der seit vielen Jahren kriselnden Schiffahrtsbranche von einem Bewertungsdienstleister die Bonitätseinstufung „BB“, die gleiche Note wie sie der französische Automobilhersteller PSA-Group (Peugeot, Citroen) besitzt. Nun kündigte Rickmers an, die am 11.06.2018 fällige Anleihe nicht tilgen zu können und verlangt von den Kapitalgebern die Zustimmung zur Verlängerung der Laufzeit bis zum Jahr 2027. Würde diese Zustimmung verweigert, so das Unternehmen, falle die nächste Zinszahlung im Juni 2017 aus. Als Kompensation dieses erwarteten wohlgefälligen Verhaltens der Anleger stellt Rickmers eine Zinszahlung, eine Restrukturierung und eine Beteiligung der Gläubiger am Unternehmen in Aussicht. Der Kurs der Anleihe notiert aktuell bei nur etwa fünf Prozent des Nominalwertes. Im Falle des endgültigen Ausfalls stiege das Volumen der leistungsgestörten „Mittelstandsanleihen“ auf 2,1 Milliarden Euro, das sind 32 Prozent des insgesamt plazierten Volumens.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 25 vom 3. Mai 2017]


Schuldscheinvolumen steigt auf 90 Milliarden Euro

Der Schuldscheinmarkt hat zum Jahresanfang 2017 seine Dynamik der Vorperiode beibehalten. Kreditnehmer begaben im ersten Quartal 2017 Schuldscheine im Volumen von 5,5 Milliarden Euro. Dem standen gleichzeitig Tilgungen in Höhe von etwa 2,0 Milliarden gegenüber. In der Konsequenz erhöhte sich das insgesamt ausstehende Schuldscheinvolumen bis Ende März 2017 auf rund 90 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Bonität der emittierten Schuldscheine blieb gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert, die Risikoeinstufung aller Titel lag bei BBB-/BB+ und damit exakt zwischen „Investment Grade“ und „Non Investment Grade. Die Attraktivität des Schuldscheinmarktes auch für kleinere Unternehmen lockte im ersten Quartal 2017 wieder einige neue Adressen an den Markt. So haben 40 Prozent der Unternehmen, die von Januar bis März ein Schuldscheindarlehen aufgenommen haben, dies zum ersten Mal getan. Da die Beträge in diesen Fällen unter dem Durchschnitt liegen, entfielen nur etwa 25% des Gesamtvolumens auf die Debütanten.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 24 vom 3. April 2017]


Viele Banken ohne Geschäftsmodell

Zum Jahresbeginn 2017 lassen nur wenige Bankengruppen ein funktionierendes und auch erfolgreiches Geschäftsmodell erkennen. Gerade in Zeiten extremer Niedrigzinsen und des Auftretens neuer Finanzmarktteilnehmer ist ein leistungsstarkes Konzept zwar vonnöten, oft aber nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Dies spiegelt sich dann bei zahlreichen Instituten im kontinuierlich schrumpfenden Kreditgeschäft und den rückläufigen Erträgen. Viele Institute haben es versäumt, den schleichenden, sich über Jahre (und das auch schon vor der Finanzkrise 2008!) hinziehenden Wandel an den Finanzmärkten wahrzunehmen und ihr Produkt- und Dienstleistungsspektrum an die sich verändernden Kundenbedürfnisse in einer immer stärker globalisierten (Welt-)Wirtschaft anzupassen. Anders sieht es häufig bei Kreditgenossenschaften/Volksbanken und Regionalbanken aus, die offenbar mit einem paßgenauen Geschäft „vor Ort“ und einer individuellen Kundenbetreuung ihr (Kredit-)Geschäft in der vergangenen Zeit deutlich verstärkten. Banken mit verhaltenem Geschäftsverlauf hingegen fehlt schlicht und ergreifend ein stringentes Konzept für den Umgang mit ihren Kunden, den Unternehmen – einerseits wegen der Phantasielosigkeit des Managements bei der Konzeptentwicklung und andererseits wegen der oft fehlenden fachlichen Kompetenz der Mitarbeiter bei der Umsetzung. Kommt in diesen Fällen noch eine gestiegene Risikoaversion hinzu, dann bleibt als letzter Strohhalm nur das Drehen an der Kostenschraube. Weil es einfacher ist als neue Umsatz- und Einnahmequellen zu identifizieren und zu nutzen.

[CAPMARCON CAPITAL Heft 1 vom 1. März 2017]


Neues Börsensegment „Scale“ versäumt die Professionalisierung

Der Entry Standard der Deutschen Börse heißt ab 1. März 2017 „Scale“. Und Raider heißt jetzt Twix. Zwar ändert sich in der Praxis nur wenig, aber das neue Segment sichert Pfründe und dreht noch einmal spürbar an der Gebührenschraube – die Emissionen werden deutlich teurer. Formal und kosmetisch hat es einige Veränderungen geben, inhaltlich bleibt vieles beim alten, ein evolutionärer Ansatz ist „Scale“ nicht. Und so wären wohl auch mit der neuen Regelung nur wenige der Ausfälle im Mittelstandsmarkt vermieden worden. Denn das größte Manko besteht unverändert fort: die fehlende Professionalisierung des Marktes und die mangelnde Kompetenz der Akteure. Die Deutsche Börse hat den Versuch versäumt, eine neue „Emissionskultur“ auch am Markt für kleinvolumige Anleiheemissionen einzuführen und reputations- und leistungsstarke Marktteilnehmer hierfür zu gewinnen.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 23 vom 22. Februar 2017]


„Mittelstandsanleihe“ und der Niedergang des Investment Grade

Die „Mittelstandsanleihe“ beendete mit dem Jahr 2016 ihre bislang schwächste Phase. Die Leistungsstörungen explodierten auf ein Rekordvolumen. Gleichzeitig fiel das Emissionsvolumen auf den bislang niedrigsten Stand. Und besonders unschön: Die vermeintlich unabhängigen externen Bonitätseinschätzungen signalisieren unverdrossen heile Welt statt verläßlich tatsächliche Risiken zu spiegeln. In der Folge wird das vertrauensbildende Rating-Urteil „Investment Grade“ – zumindest in diesem Segment – zum Synonym für sicheren Kapitalverlust. Denn gerade in der Gruppe der vermeintlichen Investment Grade-Emittenten kam es zum großen Sterben. Nach der sich über Jahrzehnte bewährten Wahrscheinlichkeit hätten eigentlich nur ein, zwei Anleihen ausfallen dürfen, uneigentlich hoben gleich 28 der 48 Investment Grade-Emittenten die Hand. Die bittere Erkenntnis: Richtig bewertet ist auch Investment Grade nicht mehr das, was es einmal war.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 21 vom 11. Januar 2017]


Die Erfolgsgeschichte des Schuldscheins könnte ihm nun schaden

Der deutsche Schuldscheinmarkt hat im Dezember 2016 ein Rekordjahr abgeschlossen. Mit 28,5 Milliarden Euro plaziertem Volumen war bislang keine Phase stärker gewesen. In der Folge erhöhte sich (1) das gesamte ausstehende Marktvolumen auf 86,5 Milliarden Euro, nutzen (2) besonders ausländische Adressen das hohe Kapitalangebot in diesem Segment, plazieren (3) auch Unternehmen im Bonitätsbereich „Non Investment Grade“ erfolgreich Schuldscheine, ist (4) die Bonität des begebenden wie ausstehenden Volumens konstant gut mit einem durchschnittlichen „Investment Grade“, hat sich (5) das Spektrum an Laufzeiten, Sektoren, Herkunftsländern und Rendite-Risiko-Profilen weiter vergrößert. Doch dem Schuldscheinmarkt drohen aktuell auch störende Einflüsse. So wollen sich künftig Finanz-Hasardeure mit fragwürdigen Leistungen ein Stück vom großen Kuchen abschneiden. Ein Vorteil für den Schuldschein durch schwache Bonitäten, geplante Plattformen oder einen öffentlichen Handel des Schuldscheins ist nicht erkennbar.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 20 vom 5. Januar 2017]


Grüner Schein und grünes Sein

Nachhaltigkeit entspricht dem Zeitgeist. Gleichzeitig sucht die Finanzbranche fortlaufend nach neuen Schläuchen für ihren Wein. Was liegt da näher als die Verbindung von klassischen Finanzinstrumenten mit grünen, nachhaltigen Attributen. Und tatsächlich kamen in den vergangenen Jahren zunehmend „grüne Finanzinstrumente“ an den Markt. Eine große Gruppe dieser Instrumente sind Anleihen, sogenannte Green Bonds. Ihr Emissionsvolumen dürfte mittlerweile fast 100 Mrd. € erreicht haben. Gewichtiges Argument für die Einführung von Green Bonds, so die interessierten Protagonisten, seien die international vereinbarten Klimaschutzziele. Deren Erreichen erfordere so viele Projekte und entsprechend viel Kapital, daß in erheblichem Umfang auch private Gelder herangezogen werden müßten. Green Bonds seien hierfür das geeignete Mittel – was suggeriert, mit Green Bonds nun Gelder mobilisieren zu können, die zuvor für den genannten Zweck nicht verfügbar gewesen wären. Bestechend auf den ersten Blick, doch ein Trugschluß, wie sich auf den zweiten Blick offenbart. Daher dürften Green Bonds nur dann eine (sinnvolle) Zukunft haben, wenn sie strengen Kriterien hinsichtlich Mitteleinsatz, Geschäftsmodell des Emittenten und Gestaltung des Vorhabens sowie der Anleihebedingungen genügen.

[CAPMARCON CAPITAL Spezial 18 vom 31. Oktober 2016]